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ICH-AG Chance für Existenzgründer



ERFAHRUNGSBERICHTE: KEIN MODELL FÜR JEDEN

„Für mich wurde die Ich-AG erfunden", zitiert Vera L., 33, ihre Berater beim Arbeitsamt. Sie steht unmittelbar vor der Gründung einer Ich-AG und weiß doch: „Meine Voraussetzungen treffen nur auf wenige zu. Wenn ich alleinerziehend wäre und davon leben müsste, würde ich es wahrscheinlich nicht machen." Aber Vera Lehnert ist verheiratet, ihr Mann sorgt für große Teile des Lebensunterhalts der Familie, sie selber hat gerade einen Erziehungsurlaub hinter sich. Weil sie zuvor ohnehin nur Teilzeit im Handwerk gearbeitet hat und relativ wenig Arbeitslosengeld bekommt „erleide ich keinen Verlust, wenn ich die Förderung der Ich-AG in Anspruch nehme und es klappt eventuell nicht."

Statt dessen sieht sie in der Ich-AG eine Chance, die ihr eine normale Teilzeitarbeitsstelle nicht bieten könnte: „Ich will mir meinen ursprünglichen Berufswunsch Dolmetscherin erfüllen". Bis dahin gibt ihr die Selbstständigkeit die Möglichkeit, einerseits auf den verschiedenen Gebieten der Büroorganisation ihre Dienste anzubieten und gleichzeitig Kontakte als Dolmetscherin zu knüpfen. Eine Festanstellung als Übersetzerin mit drei Sprachschwerpunkten sei sehr unwahrscheinlich, aber es gebe eine Menge Betriebe, die gewiss zeitweise ihre Dienste in Anspruch nehmen würden, ist sie optimistisch.

Gut findet sie an der Ich-AG, dass sie ihr Geschäft aufbauen kann und doch eine Grundabsicherung in der Renten- und Krankenversicherung hat. Und sie schätzt die Sicherheit, wenn alles schief läuft, wieder Arbeitslosengeld beziehen zu können.

Ein wichtiges Motiv auch für ihre Freundin Isolde W., 48: „Die Ich-AG gibt mir eine Chance. Zu verlieren habe ich dabei nichts." Die beiden Frauen motivieren sich gegenseitig auf dem Weg in die Selbstständigkeit, haben gerade ein Seminar für Existenzgründer absolviert. Isolde W. legt ihre Vielseitigkeit in die Waagschale, von der Büroorganisation bis zur Fotoassistenz hat sie schon viel gemacht. So hofft sie, dass ihr Können und ihre Erfahrung als selbstständige Dienstleisterin ankommen - denn für eine feste Anstellung, macht sie sich keine Illusionen, werde sie von vielen Betrieben schon als zu alt angesehen.

Kritik durch Erfahrung

Mit der vergeblichen Suche nach einer Arbeitsstelle hat Heike Henke, 44, auch bereits Erfahrungen gemacht, obwohl sie als gelernte Betriebswirtin auf die Erfahrung als Call-Center-Leiterin zurückblicken konnte. Sie hatte schon einen eigenen Businessplan für die Selbstständigkeit in der Tasche, als sie ab 2. Februar 2003 die neue Möglichkeit der Ich-AG ergriff - begleitet von regem Medieninteresse galt sie als „Hessens erste Ich-AG". Ihre Gründeridee: Consulting-Dienstleitung für Firmen beim Aufbau und Betrieb von Call-Centern. Für die Ich-AG entschied sie sich, weil sie lieber den Zuschuss nehmen wollte, anstatt sich mit einem Kredit für die Selbstständigkeit zu verschulden.

Inzwischen hat sie erfahren, dass der Start in die Selbstständigkeit Geduld erfordert. Denn in diesen wirtschaftlich schwierigen Zeiten wird sie zwar mit ihrer Beratungserfahrung mit offenen Armen empfangen, aber wenn es an den konkreten finanziellen Abschluss geht, überwiegt Zurückhaltung. Für drei Tage pro Woche habe sie gut zu tun. Sie sieht aber das Modell der Ich-AG für ihren Weg in die Selbstständigkeit eher kritisch. Wegen der Beitragspflicht für die Sozialversicherung bleibe selbst von den monatlich 600 Euro Zuschuss des ersten Jahres nicht mehr viel übrig. Weil der Zuschuss zum Umsatz hinzuaddiert werde, erhöhe sich sogar ihr Krankenkassenbeitrag. „Mit diesen Schwierigkeiten hatte ich nicht gerechnet", räumt Heike Henke ein, "man hätte das anders staffeln müssen."

BildInfo

Jetzt will sie mit anderen Ich-AG-Gründern ein Netzwerk aufbauen, wo Erfahrungen ausgetauscht werden können. Wer auch daran interessiert ist, kann Heike Henke eine Mail schicken: Call4you_heikehenke@web.de





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