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ICH-AG - CHANCE FÜR EXISTENZGRÜNDER



Sechs Geschäftsmodelle von Existenzgründern

Geduld und kühl rechnende Überlegung gehören zu den wichtigsten Tugenden beim Start in die Selbständigkeit. Im „Kompass, Zentrum für Existenzgründungen" in Frankfurt am Main, können sich Business-Neulinge, die aus der Arbeitslosigkeit gestartet sind, Büros zu günstigen Bedingungen anmieten. Wir fragten nach ihren Anfängen und ersten Erfahrungen.

Insolito,
Inhaber: Thomas Geissert, Anja Grünewald
Idee: Orientierungssysteme für Gewerbeimmobilien, vom Konzept bis zur Realisation
Anfänge: Die beiden Gründer hatten bereits vorher in einem Unternehmen zusammengearbeitet: Als Architekt und Produktdesignerin. Dabei Erfahrung in Projektleitung. Anlauf: Im ersten Jahr gut über Wasser gehalten. Überbrückungsgeld sehr hilfreich, um erste Durststrecke zu überwinden. Seit dem Start konnte ein Großkunde mit bereits vorhandenem Orientierungssystem für die Planung und Umsetzung gewonnen werden. Konzept, ein dort erprobtes System in ähnlicher Form auch für andere Groß-Immobilien anbieten zu können. Jetzt macht sich die Zurückhaltung in der Baubranche bemerkbar. Einer der Preisträger des am 22. Mai verliehenen hessischen Gründerpreises 2003. Tipps: „Man muss kalkulieren, dass man im ersten Jahr finanziell so versorgt ist, die Kosten zu decken, bis der erste große Auftrag kommt. Da waren wir über die vielfältigen Aufträge, die nur bei einem Großkunden möglich sind, sehr froh. Ein Businessplan/ Liquiditätsplanung hat uns stark geholfen, uns über die Konkurrenz klar zu werden, den Markt zu recherchieren und die Finanzen genau zu planen - wenn man so etwas runterschreibt, wird es viel greifbarer."

Art for Biomed,
Inhaberin:Erika Heil
Idee: Naturwissenschaftlich-medizinische Grafik und Computeranimation
Anfänge: Die Gründung ist die Summe von Ausbildungen und Interessen. Kaufmännische Ausbildung, Studium von Biologie und Biochemie abgeschlossen, Auslandsaufenthalt, nebenbei Grafik und Zeichnen. Ständige Weiterbildung. Am Anfang im November vor fünf Jahren war die Akquise schwierig, davor schon nebenberuflich angefangen.
Anlauf: Nur Überbrückungsgeld. Hauptklientel sind Wissenschaftler und Forschungsinstitute. Einige Stammkunden nach einer Anzeige in der wissenschaftlichen Zeitschrift „nature" gefunden. Tipps: „Es gehört ein wenig Glück dazu, zum rechten Zeitpunkt am rechten Ort zu sein, um Leute zu treffen, die einen Bedarf haben und dafür auch etwas ausgeben können. Meine Devise ist, ich muss Spaß an dem haben, was ich mache. Daraus schöpfe ich die Kraft und den Optimismus. Ich denke nicht über alle möglichen Konsequenzen im Vorfeld nach, da wird man verrückt, sondern habe mich auf die Sache an sich konzentriert. Dazu kommt ein Schuss Abenteuerlust. Ich habe mir mein Berufsbild kreiert, das es in der Form nicht gibt."

NLP Kommunikation,
Inhaberin: Barbara Scholz
Idee:Kommunikationstraining nach der NLP-Methode Anfänge: Schon immer „ein wenig selbstständig", also Kurse gegeben - aber gleichzeitig noch arbeitslos. Existenzgründung, um Kundenkreis auszuweiten.
Ziel:Mehr in die Firmen gehen nach dem Motto „Führungskräfte in der Wirtschaft müssen mit Leuten umgehen können".
Anlauf: Wenig Überbrückungsgeld, daher wäre heute Gründungszuschuss (Ich-AG) nach ihrer Einschätzung sinnvoller. Die Entwicklung laufe nicht besonders gut. Voriges Jahr sah es gut aus, der Kundenkreis erweiterte sich, sie hatte früher mehr Leute im Einzel-Coaching. Aber mit der fortschreitenden Wirtschaftskrise 2003 sei das wieder abgebrochen.
Tipps: „Die Akquise steht ganz oben, das vernachlässige ich schon ein wenig. Ich habe zwar auch annonciert, aber es lief sehr viel über Empfehlungen, Mundpropaganda. Offensives Auftreten ist wichtig. Und man braucht Geduld, denn man kann sich leicht in der Zeit verschätzen, um alles aufzubauen. Ich habe viele andere Gründer erlebt, die es aufgegeben haben, nachdem das Überbrückungsgeld aufgebraucht war."

BioSciTec,
Inhaber: Dr. Robert Jäger
Idee: Software für Wissenschaft
Anfänge: Während der Promotion im Bereich der Medizin benötigte er eine Software, die es nur sehr teuer gab. Ein Kollege war Programmierer. Selber etwas entwickelt und das Produkt wurde immer besser. Nach der Promotion damit selbstständig gemacht und die Produktpalette noch erweitert.
Anlauf: Anfangs halbe Stelle in der Klinik und halbe Stelle selbstständig, GmbH seit 2001.
Vorteil: Die Herstellung von Software sei nicht so kapitalaufwändig. Staatshilfe ist eher bescheiden. Länder- und städtebezogen gebe es sehr große Unterschiede. Bayern und NRW fördere Gründer sehr stark, Hessen weniger.
Tipps: „Man muss ein kaufmännisches Verständnis mitbringen, losgelöst vom eigenen Produkt. Denn die eigenen Idee ist immer für einen Existenzgründer die beste, die man kennt. Zu betriebswirtschaftlichen Kenntnissen muss eine intensive Marktanalyse kommen. Wo kann ich mich platzieren, welcher Kundenkreis, welches Potenzial. Das wird oft nicht bedacht, sondern viele gehen einfach rein und denken, mal schauen ... Ich wäre dafür, dass kleine Firmen unterstützt werden, indem erst mal die Steuern ganz niedrig gehalten werden oder ganz entfallen."

hgb Autohaus Beratung GmbH
Inhaber: Hans-Georg Boemke Idee: Beratung von Autohäusern in Bezug auf versteckte Potenziale bei Mitarbeitern, Markt und Kunden. Außerdem Neuausrichtung von gekündigten Händlern und die strategische Positionierung von Autohäusern vor dem Hintergrund, dass sich die rechtlichen Grundlagen für den Vertrieb und die damit verbundenen Serviceleistungen für Fahrzeuge seitens der europäischen Union geändert haben. Anfänge: Seit dem Abitur mit nichts anderem zu tun gehabt als mit Automobilen. Im letzten Job kaufmännischer Außendienstler bei einem Importeur, daher Situation von Automobilhändlern vor Ort gut bekannt. Somit lag die Geschäftsidee der Beratung von Autohäusern sehr nahe.
Anlauf: Zu Beginn der Selbstständigkeit in 2002 großen Kooperationspartner gefunden. Da sich Aufträge zeitlich verschoben haben, in den ersten vier Monaten von 2003 fast kein Auftrag. Aber jetzt laufen die Planungen auf Hochtouren bis zum Ende des Jahres.
Tipps: „Akquirieren und nochmals akquirieren. Für alles andere kann ich mir entsprechend nach Bedarf Spezialisten besorgen und deren Leistungen einkaufen, sei es für Buchhaltung, für Büroorganisation, Telefon und Sekretariatsservice oder Berater, welche die Existenzgründung begleiten. Der Geschäftserfolg steht und fällt mit der Anzahl der zufriedenen Kunden. Alles andere wird dabei zur Nebensache. Darüber hinaus habe ich die Rechtsform der GmbH gewählt, denn im Beratungsgewerbe wird einer GmbH immer mehr Vertrauen und Respekt entgegen gebracht als einer Einzelperson."

Advenue
Inhaber: Volker Weise/Helge Hollander
Idee: Eine internetbasierte Softwarelösung, mit der Veranstalter von Konzerten, Messen, Tagungen, Seminaren usw. Kartenvorverkauf organisieren können.
Anfänge: Die Gründer waren in einer inzwischen insolventen New-Economy-Firma beschäftigt. Selbstständigkeit, da der Markt bekannt und eine innovative Technik mit großem Marktpotenzial vorhanden. Mit Partnern Software entwickelt. Jetzt zwei vertraglich eng verbundene Firmen. Die einen verkaufen, pflegen die Kunden, teilen sich Programmierarbeiten und die Partner betreiben den Server. Der Server muss rund um die Uhr ohne Ausfälle funktionieren.
Anlauf: Gründung vor einem Jahr, Überbrückungsgeld war wichtig und ein DtA-Mikrodarlehen, von der Deutschen Ausgleichsbank, einer Körperschaft des öffentlichen Rechts. Besonders für das Darlehen war ein fundierter Businessplan nötig. Inzwischen einige Kunden, genug Geld für Gründer und um Leute bezahlen zu können: einen festangestellten Programmierer, Freelancer-Programmierer und -Techniker, Praktikanten, eine „mitarbeitende Ehefrau". Problem: verkaufen ohne viel Eigenkapital, keine großen Werbekampagnen, sondern nur Verkauf im Direktkontakt.
Tipps: „Geduld und sich wirklich früh um Kapital kümmern. Es kommt darauf an, welches Modell man verfolgt. Wir sind insofern in einer guten Position, weil wir kein Problem mit Außenständen haben. Unsere gesamte Vergütung wird über unser technisches System eingezogen, auf dem die Umsätze im Ticketvorverkauf entstehen. Die Außenstände sind für viele Gründer ein zentrales Problem. Sie haben eine gute Idee, machen auch Verträge und gute Geschäfte auf dem Papier, aber dann zahlen die Schuldner nicht. Dann kann man ganz schnell, wenn nicht genügend Kapital vorhanden ist, in eine Situation kommen, wo es nicht mehr funktioniert, obwohl man sehr gute Geschäfte gemacht hat - auf dem Papier. Und Geduld ist wichtig. Bis es richtig anläuft, dauert es einfach Monate oder Jahre länger, als man sich das vorgestellt hat."



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